Viel mehr, als nur Jagd

Der Bayerische Jagdverband zeichnet vorbildliche Jagdgenossenschaften aus

»Nur gemeinsam lassen sich Probleme wirklich lösen«, verdeutlichte BJV- Präsident Jürgen Vocke anlässlich der Preisverleihung.	Foto: Stefan Dohl

»Nur gemeinsam lassen sich Probleme wirklich lösen«, verdeutlichte BJV- Präsident Jürgen Vocke anlässlich der Preisverleihung. Foto: Stefan Dohl

Feldkirchen/Emmering · Die bayerischen Jäger haben Grund zur Sorge. In den bayerischen Wäldern ist ein dramatischer Artenschwund zu beobachten. Besonders das »Niederwild« hat als Folge der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Kulturlandschaft zu kämpfen.

Das Rebhuhn, in den 60er Jahre ein häufiger Brutvogel in Niederungen und Mittelgebirgen, hat an Boden verloren und mit ihm auch andere Bodenbrüter wie die Feldlerche, Schafstelze, Braunkehlchen, Grauammer und der Kiebitz. Über zu viel Nachwuchs erfreut sich hingegen das Schwarzwild. Milde Winter, ein großes Nahrungsangebot und ihre enorme Anpassungsfähigkeit haben die Schwarzwildbestände in den letzten 30 Jahren in Bayern bereits verzwanzigfacht. Diese rasante Vermehrung des Schwarzwilds bereitet vor allem Landwirten, Jägern und Waldbesitzern Kopfzerbrechen. Der Grund: Bei ihrer Nahrungssuche verursacht das Schwarzwild enorme Wildschäden. Und auch in Städten fühlen sich Wildschweine mittlerweile »sauwohl«. Entsprechend häufiger werden »Wildunfälle« im Straßenverkehr.

Der Schlüssel um dieser Lage Herr zu werden ist eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Jägern und den Pächtern, meint der Bayerische Jagdverband (BJV) zur Thematik.

Zusammen statt Gegeneinander

Deswegen wurden vergangene Woche vorbildliche Jagdgenossenschaften aus ganz Bayern in Feldkirchen vom BJV ausgezeichnet. Im Beisein von 75 Jägern dankte BJV-Präsident Prof. Jürgen Vocke als Schirmherr allen Preisträgern stellvertretend für ihr großes Engagement in den bayerischen Revieren: »Wir Jägerinnen und Jäger müssen auf die Land- und Forstwirte als unsere engen Partner in der Naturnutzung zugehen. Nur gemeinsam lassen sich Projekte wie die Kitzrettung, der Zwischenfruchtanbau oder das Anlegen von Bejagungsschneisen verwirklichen. Durch die Zusammenarbeit können zum Beispiel Wildschäden vermieden werden und es entstehen attraktive Reviere«. Voraussetzung, um dieses Ziel zu erreiche, sei ein harmonisches Verhältnis zwischen den Jagdausübungsberechtigten und den Grundeigentümern, so Vocke weiter. In Bayern wird Jagd auf einer Fläche von 6,8 Millionen Hektar ausgeübt. Davon entfallen rund 88 Prozent auf private und kommunale Flächen, 0,8 Hektar bzw. zwölf Prozent sind Staatsforst. Lediglich ein Drittel der Landesfläche ist bewaldet, der weitaus größere Teil der Jagdfläche besteht aus Wiesen und Feldern.

Emmeringer erhalten Auszeichnung

Beispiele für die symbiotische und gewinnbringende Zusammenarbeit von Jägern und Waldbesitzern zeigten die sechs ausgewählten Jagdgenossenschaften aus Oberfranken, Schwaben, Unterfranken und Oberbayern. Darunter die Jäger aus Rechtmehring im Landkreis Mühldorf und die Jagdgenossenschaft Schalldorf aus dem Landkreis Ebersberg.

Letztere stellen eine kostenlose Maissilage für die Winterfütterung zur Verfügung und packen auch regelmäßig bei anfallenden Revierarbeiten mit an. Das Ergebnis ist eine gute Naturverjüngung ohne Einzäunung und viele Blühflächen. Ferner beteiligen sich die Schalldorfer Jäger auch an zahlchen Schulführungen zum Thema Jagd und Naturschutz. Nun erhielten sie eine Urkunde, einen Saatgutsack, einen Geldpreis, sowie die »Medaille Naturerbe in Bronze«.

Der Bayerische Jagdverband hat gegenwärtig 48.000 (90 Prozent aller bayerischen Jäger) Mitglieder organisiert. Die Jäger sehen sich primär als »staatlich geprüfte Naturschützer«, deren Aufgabe es ist, einen »artenreichen und gesunden Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und diese für das Wild zu sichern und zu verbessern« heißt es vom BJV. Die Jagd unterliegt in Deutschland einer strengen gesetzlichen Regelung: Jagen darf nur, wer im Besitz eines gültigen Jagdscheines ist. Diesen erhält man über eine bestandene Jagdprüfung, die ein umfangreiches theoretisches und praktisches Wissen in den Bereichen Natur- und Umweltschutz, Haar- und Federwild, Wals- und Landbau, sowie Jagd- und Waffenrecht voraussetzt.

Nachwuchsprobleme gibt es nicht. Derzeit wird die Jagdprüfung jährlich von rund 1.700 Männern und Frauen absolviert. sd

Artikel vom 16.11.2015
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