Krisenmodus in München

Die Welle der Flüchtlinge reißt nicht ab – wie ist die Lage in Bogenhausen?

Der Verschenk-Flohmarkt in der Flüchtingsunterkunft an der Richard-Strauss-Straße war ein voller Erfolg. Initiiert wurde die Aktion von der »Flüchtlingsbetreuung Bogenhausen«, die sich mit Helfern für Asylsuchende im Viertel engagiert. 	F.: C. Hacker

Der Verschenk-Flohmarkt in der Flüchtingsunterkunft an der Richard-Strauss-Straße war ein voller Erfolg. Initiiert wurde die Aktion von der »Flüchtlingsbetreuung Bogenhausen«, die sich mit Helfern für Asylsuchende im Viertel engagiert. F.: C. Hacker

Bogenhausen · Täglich überschlagen sich die Nachrichten, wenn es um das Thema Flüchtlinge geht. Allein am vergangenen Wochenende kamen rund 20.000 Flüchtlinge in München an.

Doch die Verhältnisse und Zahlen ändern sich nahezu stündlich. Die Solidarität der Münchner ist jedoch ungebrochen, dennoch mehren sich die kritischen Stimmen, da man allerorten am Rande oder bereits über der Kapazitäts- und Belastungsgrenze sei.

Europa steht vor einem Scheideweg, muss eine seiner größten Herausforderungen bewältigen. Mit Geld alleine ist es nicht getan, das ist allen klar. Aber Verantwortung für die vielen tausend Menschen, die wöchentlich nach Europa kommen, wollen oder können viele Nationen nicht übernehmen. Im Großen muss die Politik also noch viel leisten, im Kleinen funktioniert die Hilfe gerade in München schon sehr gut. Blickt man allein in den Stadtteil Bogenhausen, ist die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung enorm. »Phasenweise haben wir sogar mehr Freiwillige als Jobs«, berichtet Christiane Hacker. Sie rief bereits im Jahr 1991 den Helferkreis »Flüchtlingsbetreuung Bogenhausen« ins Leben, der während des Jugoslawien-Kriegs den Flüchtlingen Starthilfe für ein Leben in Deutschland gab.

Praktische Hilfe vor Ort leisten

Den »harten Kern« des Helferkreises konnte Hacker nun reaktivieren.

Sie helfen nun den Flüchtling in den Unterkünften in der Max-Pröstl-, Richard-Strauss-Straße und Truderingerstraße. »Vor allem unsere Deutschkurse sind sehr beliebt«, berichtet Hacker. Im ehemaligen Siemens-Gebäude an der Richard-Strauss-Straße geben insgesamt 20 Frauen und Männer täglich mehrere Stunden Deutsch-Unterricht.

Da gerade die Abende in den provisorischen Unterkünften lang werden können, veranstaltet der Helferkreis regelmäßig Spieleabende. Aber auch Hilfe bei Behördengängen, medizinische Versorgung und Kontaktaufnahme zu Sportvereinen bieten die freiwilligen Helfer an.

Wenn es um die Versorgung der Flüchtlinge mit Kleidern geht, fand der Helferkreis eine besonders praktische Lösung. »Nachdem das Sortieren der gespendeten Kleidung viel Zeit in Anspruch nimmt, haben wir uns dazu entschieden einen Verschenk-Flohmarkt zu organisieren«, berichtet Hacker. Ende August fand bereits der zweite Flohmarkt statt und wurde von den Bewohnern der Richard-Strauss-Straße erneut dankend angenommen.

Derzeit leben in der Unterkunft an der Richard-Strauss-Straße rund 200 Asylbewerber unterschiedlicher Herkunft in dem vierstöckigen Bürokomplex, der zu Schlafsälen umgebaut wurde.

Dass man auch in Bogenhausen in den nächsten Wochen weitere Flüchtlinge wird aufnehmen müssen, steht außer Frage. Wo diese Menschen jedoch untergebracht werden können, bleibt offen. »Uns fehlen die Unterkünfte«, beklagt Hacker. In der Truderinger Straße sei zwar momentan noch etwas Luft, aber eng wird’s auch hier. Man bemühe sich nun, weitere Schlafräume zu schaffen und diese zumindest mit Matratzen auszulegen – denn Betten sind absolute Mangelware.

Schlafplätze sind in München knapp

Die dahinter stehende Logistik sei momentan ohnehin eines der größten Probleme. Freiwillige alleine nützen schließlich nicht. Die Hilfe müsse auch kanalisiert werden – »und daran arbeiten wir momentan unter Hochdruck«. Dass die Arbeit mit den Flüchtlingen ein »echt harter Job« ist, möchte Hacker nicht verheimlichen. Es verlangt ihr viel ab, »aber man bekommt auch viel zurück«. Obwohl man die Flüchtlinge auch oft mit unbequemen Tatsachen konfrontieren muss. »Viele bringen vollkommen überzogene Erwartungen mit, sind von Schleusern mit Versprechungen überschüttet worden. Davon müssen wir sie über Aufklärung wieder runterholen«, berichtet die ehemalige Stadträtin.

Es warten also zweifelsohne noch viele anspruchsvolle Aufgaben auf die »Flüchtlingsbetreuung Bogenhausen«. Wer sich engagieren und noch mehr über den Helferkreis erfahren möchte, kann am Donnerstag, 17. September, 17 Uhr in den Jugendraum der Vaterunserkirche, Fritz-Meyer-Weg 9 – 11 Uhr kommen. Hier findet das nächste Treffen der »Flüchtlingsbetreuung Bogenhausen« statt. Welche Hilfe ganz konkret im Viertel benötigt wird, weiß auch Yvonne Möller vom Freiwilligen-Zentrum Ost in St. Rita. Sie ist täglich ab 11 Uhr unter Tel. 92 00 46 30 erreichbar. Andrea Hinze

Artikel vom 08.09.2015
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