München poltert

Aufschrei nach Absage an den dritten Konzertsaal

Das Gerangel um die Zukunft des Gasteigs sollte beendet sein. Jetzt geht’s erst richtig los.	Foto: adel/pixelio.de

Das Gerangel um die Zukunft des Gasteigs sollte beendet sein. Jetzt geht’s erst richtig los. Foto: adel/pixelio.de

München · Die Einigung von Stadt und Freistaat hinsichtlich der Planungen um die verschiedenen Optionen für einen Konzertsaal hat für Verwunderung gesorgt. Als sich das Staunen gelegt hatte, wurde Verärgerungen hörbar.

Eine Kulturstadt wie München braucht einen 3. Konzertsaal
Themenseite zum Entwicklungstand des gewünschten dritten Konzertsaals

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und der Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatten sich vergangenen Woche auf die Sanierung der Philharmonie geeinigt und dem Neubau eines weiteren Konzertsaals eine Absage erteilt. Der aber sei dringend nötig, wolle München nicht einen kulturellen Abstieg aus der ersten Liga erleiden. Die Befürworter des Konzertsaals am Finanzgarten wollen sich nämlich keineswegs mit der Entscheidung abfinden. Sie fordern vehement den Konzertsaal – wo auch immer, aber eben bevorzugt am Finanzgarten –, weil eine Stadt wie München mit zwei Orchestern von Weltruf, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Philharmoniker, sich die Zwillingslösung mit einem turnusmäßigen Umzug zwischen Philharmonie und Herkulessaal nicht erlauben dürfe – zumal beide Orchester die Philharmonie als Standort vorziehen und es damit keine Zwillings-, sondern eine Zwei-Klassen-Lösung wäre.

Der »schlechtere« Spielort wäre der Herkulessaal, während der geplanten Sanierung des Gasteigs aber der einzige. Für Kunstverständige, Kunstausübende und Opposition im Stadtrat keine haltbare Situation. Viel mehr habe München das Potenzial für einen dritten Konzertsaal, unabhängig von der Zukunft von Gasteig und dem (zu ertüchtigenden) Herkulessaal. Der Variante »Kongressaal des Deutschen Museums« wäre keine Nachhaltigkeit beschieden, das Museum will den Saal selbst nutzen. So gesehen kommen die Münchner an dem dritten Konzertsaal nicht vorbei. Seltsam entzweit präsentiert sich die SPD in dem ganzen Donnerwetter. Die Stadtrats-SPD feiert die Einigung und lobt ihren Oberbürgermeister Dieter Reiter dafür, den Kurs der Staatsregierung, die sich lange für den dritten Konzertsaal ausgesprochen hatte, dann aber auf die Stadt zugegangen war, per Überzeugungskraft zu ändern. Jetzt kritisiert die SPD-Fraktion im Landtag, allen voran Fraktionschef Markus Rinderspacher, das Einlenken von Horst Seehofer, das die Stadtrats-SPD in München doch bejubelt hat. Doch predigt Rin­ders­pacher jetzt nicht auf Reiter und Genossen ein, sondern appelliert an die Staatsregierung, dem Neubau eines weiteren Konzertsaals in München sofort zuzustimmen: »Wir sollten keine wertvolle Zeit und planerischen Kapazitäten fehlleiten und vergeuden und umgehend die Weichen für einen Neubau stellen. Ich erinnere den Ministerpräsidenten nochmals an sein Versprechen, das er den Münchner Bürgerinnen und Bürgern in seiner Regierungserklärung 2013 gegeben hat.«

Der uneinige Kurs der SPD hatte sich abgezeichnet. Der SPD-Fraktionschef hatte sich in einem Schreiben an Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) Anfang Februar für ein neues Odeon am Finanzgarten ausgesprochen. Dass sich jetzt die Landes-CSU und die Stadtrats-SPD geeinigt haben und nicht die beiden SPD-Ebenen, hat viele überrascht und das sorgt jetzt für Misstöne. Bleibt die Frage: Werden sich Reiter und Seehofer mit ihrem Deal durchsetzen oder rütteln die Gegner doch zu heftig daran?

Artikel vom 12.02.2015
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