...und wie gleich ein ganzer Verein sich rührend um ihn kümmert

Oberschleißheim · Verrückter alter Bahnhof

»Vabosh«-Gründer (v.l.n.r.): Karin Schulze, Andreas C. Hofmann, Walter Klar, Anke Schuster.	Foto: Vabosh

»Vabosh«-Gründer (v.l.n.r.): Karin Schulze, Andreas C. Hofmann, Walter Klar, Anke Schuster. Foto: Vabosh

Oberschleißheim · Man sieht es ihm an: Seine besten Zeiten liegen schon lange zurück. Auch die vielen bunten Grafitti-Schmierereien an den Außenwänden können über den bereits weit fortgeschrittenen Verfall des Gebäudes an der heutigen Schönleutnerstraße nicht hinwegtäuschen.

DER VERRÜCKTE ALTE BAHNHOF. Halt! Verrückt ist hier nicht gleichzusetzen mit der dudengetreuen Bedeutung von wirrem Denken und Handeln, sondern erklärt sich aus der Historie.

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Alter Bahnhof Oberschleißheim
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Wir schreiben das Jahr 1858, in welchem in Oberschleißheim einer der ersten Bahnhöfe der gerade neu errichteten Bayerischen Ostbahnen fertiggestellt worden war. Nachdem im Jahre 1835 mit dem Adler zwischen Nürnberg und Fürth die erste Eisenbahn auf deutschem Boden fuhr, stellte die Eröffnung des »Bahnhofs Schleißheim« für die Region und das Land einen Meilenstein in der Geschichte dar. Im Rahmen des Streckenausbaus wurde der Alte Bahnhof 1898 um sechs Meter verrückt (da haben wir’s!), um Platz für zusätzliche Gleise zu schaffen. Da das Gebäude beide Weltkriege unbeschadet überdauert hatte, diente es bis zur Einführung des S-Bahnverkehrs im Jahre 1972 als Haltestelle.

Seither steht das geschichtsträchtige Bauwerk auf dem Abstellgleis. Für den Oberschleißheimer Historiker und Sprössling einer Eisenbahnerfamilie, Andreas C. Hofmann, ein inakzeptabler und im höchsten Maße bedauernswerter Zustand. Zusammen mit der Architektin Anke Schuster, dem Inhaber des Oberschleißheimer »Eisenbahnparadieses« Walter Klar und der ehemaligen Steuerberaterin Karin Schulze gründete er daher kurzerhand die Initiative »Vabosh« (das Kürzel für verrückter alter Bahnhof Oberschleißheim). Das war vor sechs Jahren. Mitte Oktober nun, folgte die feierliche Vereinsgründung im Beisein von Bürgermeister Christian Kuchlbauer. Der eröffnete die Versammlung und berichtete den Anwesenden , dass er als Sohn des für Schleißheim zuständigen Bahnmeisters die ersten Jahre seiner Kindheit in dem Wohngebäude verbracht hat, das direkt an den Alten Bahnhof angrenzt. Er konnte ferner taufrisch berichten, dass nach Auskunft des zuständigen bayerischen Staatsministeriums der Ausbau der Strecke mit einem dritten Gleis vorerst vom Tisch sei. Da dies den sicheren Abriss des Bahnhofsgebäudes seitens des Eigentümers, der Bahn AG, bedeutet hätte, nahmen die Anwesenden es mit großer Erleichterung zur Kenntnis.

In einer kurzen historischen Einordnung machte der Historiker Andreas C. Hofmann darüber hinaus deutlich, dass der 1858 in Betrieb genommene Alte Bahnhof Schleißheim aus einer Zeit stammt, in der das Deutschland wie wir es heute kennen noch nicht existierte. Es war dies beispielsweise auch das Geburtsjahr des Physikers Max Planck, des späteren US-Präsidenten Theodore Roosevelt oder des deutschen Ingenieurs und Erfinders des gleichnamigen Motors Rudolf Diesel.

Gründungsmitglied Walter Klar skizzierte anschließend die nur zu oft zum Scheitern verurteilten Bemühungen der letzten Jahre mit dem Noch-Eigentümer, der Bahn AG. Kaufangebote hätte man schlichweg ignoriert oder unseriös beantwortet. Man wolle jedoch weiter um das erhaltenswerte Areal kämpfen. Ab sofort mit einer noch breiteren Öffentlichkeit. Hierzu ließ sich der Verein etwas Besonderes einfallen. Seit kurzem kann jeder Interessierte auf der Vereins-Website www.vabosh.de noch bis Mitte Januar 2015 eine Online-Petition unterzeichnen.

Aktuell sind circa 600 Unterschriften eingegangen. Somit sind bereits über 50 Prozent der angepeilten 1.000 Unterzeichnungen erreicht, auch wenn erfreulicherweise nicht nur Oberschleißheimer Bürgerinnen und Bürger die Verbundenheit mit dem alten Gebäude durch eine Unterschrift zum Ausdruck brachten. Umso wichtiger ist es, die nun erreichte Unterstützung als Anschub für die nächste Etappe der Petition zu nutzen. Denn erst mit über 1.000 Unterschriften wird das Vorhaben in der Öffentlichkeit und bei der Deutschen Bahn als Adressaten eine ausreichende Aufmerksamkeit erhalten.

Das Ergebnis der Petition soll ferner geplanten Eingaben an die verschiedenen politischen Ebenen des Landes einen genügenden Rückhalt verleihen. Die geben ausführlich Auskunft über die Nutzung des alten Bahnhofs in der Zukunft. Aus dem jetzigen Schandfleck, so sehen es vor allem die direkten Anwohner, soll eine reizvolle Begegnungsstätte für alle Schleißheimer sowie die Menschen aus dem Münchner Norden, Stadt wie Land, werden. Man strebt seitens des Vereins eine sozio-kulturelle Nutzung in gleich mehrere Richtungen an. Als Vereinsheim, Ortsmuseum, Café mit Live-Musik-Angebot, Bibliothek und/oder Ausstellung. Letztlich soll sich die Einrichtung selber tragen und nicht den Steuerzahler oder die Gemeindekasse belasten.

Die Voraussetzung jedoch ist und bleibt, dass die Bahn AG ihre bisher gezeigte »störrische bis ignorante Haltung« aufgibt, sich zum Erhalt des alten Gebäudes bekennt und seine Renovierung und Nutzung endlich ermöglicht.

Wer dem Verein beitreten will, kann dies für einen Jahresbeitrag von 30 Euro tun. Schüler, Auszubildende und Rentner zahlen nur 15 Euro. Der breiten Öffentlichkeit wird sich »Vabosh« dann im ersten Quartal 2015 im Rahmen einer ersten großen Bürgerversammlung ausgiebig vorstellen. So erlebt der alte Bahnhof vielleicht doch noch seine Wiederauferstehung. Da könnte man schon mal vor lauter Vorfreude verrückt werden. red


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