Trassenstreit ohne Ende

Trudering/Messestadt Riem · Stadt will kleine Lösung – BA 15 kämpft weiter für die Umfahrung

Trudering/Messestadt Riem · Nach nunmehr sieben Jahren hat die Stadt München einen Entschlussentwurf und vertiefende Untersuchungen zur Truderinger Umfahrung vorgelegt. Das Planungsreferat favorisiert eine breite Trasse 1a durch das Wohngebiet um Kirchtrudering.

Die kleine Entlastungsstraße soll nördlich des Friedhofs vom Mitterfeld zum Rappenweg führen. »Mit einer integrierten Trasse im 5. Bauabschnitt Wohnen kann… eine Entlastungsstraße für Kirchtrudering verträglich und ohne großen finanziellen Mehraufwand umgesetzt werden«, so das Stadtreferat. Eingriffe in den Park einschließlich des Urheberrechts könnten so ausgeschlossen werden. Die Situation Am Mitterfeld würde sich verbessern. Allerdings ist diese Lösung bisher bei Gegnern und Befürwortern der Umfahrung auf breite Ablehnung gestoßen. Nun war der Bezirksausschuss (BA) 15 Trudering-Riem um seine Meinung gefragt.

Durch, um oder vorbei an Kirchtrudering

Feuerwehr und Kirche werden Pro Umfahrung bemüht

Die CSU beklagte die unzumutbare Verfahrensdauer und freute sich mit dem BA über die Bestätigung der verkehrlichen Überlastung Am Mitterfeld und der damit klaren Handlungsnotwendigkeit. Als neues Argument pro Parktrasse 3 führte man den Brandschutz ins Feld. Wegen der angespannten Verkehrssituation sei Waldtrudering im Ernstfall schlecht und zu langsam zu erreichen. Allerdings nennt die Münchner Berufsfeuerwehr in ihrem aktuellen Grundsatzbeschluss zur Planung aller Münchner Wachen zunächst Schwachpunkte im Westen und Norden. Außerdem sei neben Harlaching auch Waldtrudering mit 60 bis 70 hilfsfristrelevanten Einsätze jährlich ein Gebiet mit Verbesserungspotenzial.

Überwiegend geht es um die große Entfernung aus der Messestadt oder Neuperlach und den Weg durch die schmalen Anwohnerstraßen. Und um wenige Sekunden, die die Feuerwehr über die geforderten zehn Minuten nach Waldperlach braucht. Eine neue Wache sei hier wegen der im Verhältnis zu anderen Stadtgebieten geringen Einsatzzahlen schwer zu rechtfertigen, deshalb würde eine Verbesserung der Straßeninfrastruktur die Anfahrtszeiten deutlich verbessern. Von Neuperlach aus ist der direkte Weg durch den Truderinger Wald nicht möglich. Von Riem (Feuerwache 10) aus, würde ein direkter Weg durch den Landschaftspark laut der Berufsfeuerwehr die Anfahrtssituation verbessern. Daneben gibt es noch die drei freiwillige Feuerwehrwachen Waldtrudering, Trudering und Michaeliburg. Pfarrer Kellermann von St. Peter und Paul in Kirchtrudering spricht sich als Geistlicher Rat gegen die Variante 1a und für die Trasse 3 durch den Riemer Park aus. »Schon jetzt sind würdige Trauerfeiern wegen des Verkehrs Am Mitterfeld nicht möglich. Ich erhebe deshalb Widerspruch gegen die Trasse 1a«, schreibt Herbert Kellermann in seinem Antrag.

»Es wurde schon alles gesagt, aber leider nicht von jedem.«

So beginnt Stephanie Bachhuber (FDP), ihr Plädoyer für die Trasse 3. Die Riemer hätten ein Luxusproblem und müssten einsehen, dass die Straße durch den Park gehen muss. Eine Kerbe, in die auch Georg Kronawitter (CSU), schlägt. Mit seiner Rede spaltet er den Stadtteil in Truderinger und Messestädter. Letztere seien ohnehin durch den Park privilegiert und hätten keinerlei Nachteile durch eine Trasse 3 vorbei an der alten Flughafentribüne. »Wegen der Grünen Verzögerungstaktik kommt eine Lösung zu spät«, sagte er.

Auch die SPD hält an der Wunschtrasse 3 fest. »Es sind minimale Eingriffe in den Park, das Urheberrecht sollte zurücktreten vor den Bürgerinteressen«, so die Fraktionssprecherin Maren Salzmann-Brünjes. Sie stellte aber gleichzeitig schon Bedingungen, wenn es doch beim Abzweiger 1a bleiben sollte. Die folgenden sechs Punkte der SPD zur kleinen Umfahrung hat der BA mehrheitlich in seine Antwort an die Stadt München übernommen.

Eine zwingende Straßenbreite von 6,5 Metern und ein Fahrradweg, der an der Trasse 1a und entlang des westlichen Mitterfelds fortgeführt wird sowie einen Radweg über die Autobahnbrücke durch Andocken eines Brückenteils. Außerdem ein aktiver Lärmschutz für die betroffenen Häuser, auf die die Straße zuführt, und für die Aussegnungshalle am Riemer Friedhof sowie eine Fläche für das angedachte friedhofsnahe Gewerbe.

Weiter auf Pro-Trasse 3 Kurs CSU, SPD und die Freien Wähler mit Stephanie Hentschel haben sich gemeinsam deutlich weiterhin für die Trasse 3 ausgesprochen und auch das Argument Feuerwehranfahrtszeit mit in ihre Antwort übernommen. Aus verkehrlicher Sicht sei die landschaftsorientierten Trasse 3 mit Anbindung an die Joseph-Wild-Straße die optimale Lösung und eine echte Südwest-Anbindung der Messestadt. »Eine landschaftsorientierte Planung und Ausführung wäre eine auch intellektuell anspruchsvolle Zusatzaufgabe für den Entwurfsverfasser des Landschaftsparks. Damit könnte er auch sein konkretes Urheberrecht für diese Übergangsstelle weiterentwickeln.

Die Stadt München könnte zudem mit einer optimal gestalteten landschaftsorientierten Trasse 3 ein international beachtetes Zeichen setzen, wie man Nutzungsdichte, Erholungslandschaft mit einer notwendigen Verkehrserschließung gut verbinden kann... Weiterhin erscheint eine Verknüpfung der Trasse 1a mit der Trasse 3 möglich und diese an die Joseph-Wild-Straße / Paul-Wassermann-Straße anzuschließen«, so der BA 15 in seiner schriftlichen Stellungnahme. Der Landschaftsarchitekten des Parks, Gilles Vexlard, solle sofort eingebunden werden. Nur wenn diese Lösung nicht möglich ist, soll möglichst bald die Trasse 1a, wie oben ausgeführt, gebaut werden. Voraussetzung hierfür sei aber eine verkehrlich gelungene Anbindung an die existierenden Straßen, um die Ableitungsfunktion wirklich zu erreichen.

Politisch auf einsamem Posten gegen die Parktrasse

Nur die Grüne Fraktion im BA unter Herbert Danner und die aus der CSU ausgetretene, Parteilose Henrike Haarstick wehren sich gegen die Variante 3 und werden dabei von den Gegnern beklatscht, die wie die Pro-Initiative zahlreich in den BA gekommen sind. Beide Bürgergruppen erhalten allerdings kein Rederecht, was die Debatte verkürzt. »Die Verhältnisse Am Mitterfeld sind unzumutbar«, sagt auch Herbert Danner. »Aber das Gutachten geht von noch mehr Verkehr durch die Trasse 3 aus. Gute Straßen ziehen Verkehr an, dass ist die Erfahrung.« Er glaubt, dass es keine Einigung, sondern eine jahrelange juristische Auseinandersetzung mit Vexlard und damit eine Pattsituation geben wird. Als letzte Sofortmaßnahme hätte er deshalb gerne Tempo 30 Am Mitterfeld und verkehrsleitende Maßnahmen auf das übergeordnete Straßennetz (Hüllgraben und Schatzbogen) direkt beim Münchner Oberbürgermeister Ude eingefordert.

Der BA ist mit ähnlichen Forderungen schon mehrfach gescheitert und lehnt den Grünen Vorstoß ab. Danner, der sagte, dass 40 Prozent der Münchner Haushalte bereits heute ohne Auto seien, hofft weiter auf eine andere Verkehrspolitik und eine neue Mobilitätskultur. Er warnt auch vor einer lauten Schneise 1a durch das Kirchtrudering Neubaugebiet. »Der Verkehrslärm wird nahe den zulässigen Belastungsgrenzen liegen, eine eigentlich nicht mehr zeitgemäße Planung für städtisches Wohnen.« Auch der gesamte BA 15 geht davon aus, dass die Grundstücke dort preislich fallen würden und nur noch eingeschränkt verwertbar wären. bus

Artikel vom 26.11.2013
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