Veröffentlicht am 08.05.2012 00:00

Oberschleißheim · Die Bürgermeisterin informiert

Liebe Bürgerinnen und Bürger, heute möchte ich Ihnen den Schriftsteller Waldemar Bonsels vorstellen, der zwar nur etwa zwei Jahre in Oberschleißheim lebte, aber hier ein Werk schrieb, das bis heute rund um den Globus bekannt ist.

»Die Biene Maja und ihre Abenteuer« erschien erstmals im Jahr 1912. Die Geschichten, die sich rund um die Entstehung dieses Kinderbuches ranken, sind ebenso bunt und schillernd wie der Autor Waldemar Bonsels selbst.

Nach Oberschleißheim kam er wohl im Jahr 1910, wo er gemeinsam mit seinem Freund Bernd Isemann ein Haus an der Freisinger Straße gewohnt hatte. Eigentümer war eine Verlagsgesellschaft, die die beiden mit weiteren Mitstreitern wenige Jahre zuvor in München gegründet hatten.

Wie viel Zeit Bonsels in Schleißheim verbrachte, wissen wir nicht – denn immer hatte er auch einen Wohnsitz in München und hielt sich wahrscheinlich nur zu Besuchen in unserer Gemeinde auf. Meldeunterlagen aus dieser Zeit gibt es weder in München noch im Gemeindearchiv, so dass wir nur mutmaßen können.

Während seiner Zeit in Oberschleißheim heiratete er Elise Irene Maria Ostermeyer. Doch auch dieser Ehe war – wie der vorhergehenden, die bereits nach drei Jahren wieder geschieden wurde – kein langes Glück beschieden. Wie seine berühmte Biene flog auch Bonsels gerne von Blüte zu Blüte. Ganze Fotoalben mit Bildern seiner Freundinnen und Vertrauten gibt es, die Frauenwelt erlag seinem Charme und er hinterließ eine Vielzahl von gebrochenen Herzen.

Ein Sohn mit Namen Bernd Holger wurde am 05. März 1912 in Oberschleißheim geboren. Zwei Kinder gab es bereits aus der ersten Ehe, zwei weitere folgten noch. Doch zu keinem seiner fünf Söhne hatte Waldemar Bonsels Kontakt, nachdem die Beziehung zu den Müttern zerbrochen war. Als Ehemann, Vater und auch Freund war Bonsels kein Vorbild.

Doch hat er mit seiner Biene Maja ein Werk hinterlassen, das in unzählige Sprachen übersetzt wurde, das bereits 1925 zum ersten Mal verfilmt wurde und vor allem durch die Zeichentrickserie in den 1970er Jahren unsterblich wurde. Fragen Sie ein Kind nach der Biene Maja und es wird anfangen zu singen »In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit ?«.

In den letzten Monaten hat sich ein Arbeitskreis zusammengefunden, der mit viel Fachwissen, Begeisterung und Ideenreichtum über das Leben Waldemar Bonsels recherchiert und seine literarischen Spuren verfolgt hat. Ein Kreis, bunt zusammengewürfelt und hoch engagiert, der sich gemeinsam auf die Suche nach Waldemar Bonsels und seiner Biene Maja begeben hat.

Herausgekommen ist eine Reihe von Veranstaltungen, mit denen wir den Geburtstag unserer berühmten Biene feiern wollen. Eine neue Biene Maja Linde haben wir bereits gepflanzt – ein schöner Auftakt, bei dem die Freunde von Schleißheim mit kleinen Szenen aus Büchern von Bonsels auf das Jubiläum eingestimmt haben.

Eine Ausstellung mit dem Titel »Maja – die Biene aus Schleißheim« wird vom 22. 5. bis einschließlich 23. 9. 2012 das Leben in Schleißheim um 1910 vorstellen, als viele Künstler – angezogen von den herrlichen Schlossanlagen und der reizvollen Landschaft – hier eine Heimat fanden. In diesem kreativen Umfeld fanden Bonsels und Isemann das Haus an der Freisinger Straße mit seinem riesigen Garten, in dem Isemann viele Stunden verbrachte, Beete anlegte, Bäume pflanzte und die Natur beobachtete.

Hier entstand wohl auch die Idee, ein Tierbuch für Kinder zu schreiben. Es ist nicht belegt, ob es tatsächlich ein Wettstreit war, in dem Isemann die Ameisen »Nala und Re« zu den Hauptfiguren eines Buches machte, während Bonsels die Biene Maja und ihre Freunde erfand, die sie auf dem Ausflug in die Welt kennenlernt. Doch zumindest ist es eine von mehreren Entstehungsgeschichten, die erzählt wird. Als Sieger ist Bonsels hervorgegangen, dessen Buch bereits kurze Zeit später den Weg in die Kinderzimmer fand.

Ich möchte Sie alle, liebe Bürgerinnen und Bürger, sehr herzlich einladen, diese Ausstellung im Alten Schloss zu besuchen. Ob Kinder, literaturbegeisterte Erwachsene, historisch interessierte Schleißheimer oder Bienenfreunde, hier kommen alle auf ihre Kosten. Machen Sie eine Zeitreise zurück in die Jahre 1910 bis 1912, lernen Sie den Autor Waldemar Bonsels kennen, machen Sie einen Streifzug durch Schleißheim vor 100 Jahren und erfahren Sie hochinteressante Details aus dem Leben eines Bienenvolks.

Ein abwechslungsreiches Begleitprogramm reicht vom Kinderfest, Musical bis hin zu Vorträgen und Lesungen, die einzelne Aspekte aus dem Leben und Werk Waldemar Bonsels‘ beleuchten. Auch hier wird sicher jeder etwas nach seinem Geschmack finden.

Lassen Sie mich an dieser Stelle allen danken, die mit Eifer an der Vorbereitung dieser Ausstellung und des attraktiven Rahmenprogramms arbeiten, die Stunden in Archiven verbracht, Stapel von Dokumenten gesichtet, alte Ausgaben der »Biene Maja« ausgegraben und all diese Ideen grafisch und handwerklich umgesetzt haben. Die Arbeit hat sich gelohnt: Ich darf Ihnen versprechen, dass Sie hochinteressante Veranstaltungen erwarten!

Ich hoffe sehr, dass es ein buntes fröhliches Geburtstagsjahr der »Biene Maja« wird und die Veranstaltungen die örtliche und überregionale Resonanz finden, die sie verdient haben.

Ihre Erste Bürgermeisterin Elisabeth Ziegler

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