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20.02.2012

Als Waldperlach noch in den Kinderschuhen steckte

Waldperlach · 100 Jahre Waldperlach

Waldperlach · Rund 100 Jahre ist es her, dass Menschen begannen, sich in Waldperlach dauerhaft niederzulassen. Heute ist ein Stadtteil mit gut 10.000 Einwohnern entstanden, die dort leben und arbeiten.


1922 entstanden und 1952 in einen Kirchturm umgewandelt, gilt der Wasserturm als Wahrzeichen Waldperlachs. Foto: Festring Perlach

Grund genug für den Südost-Kurier ein Stück Geschichte des Stadtteils zu präsentieren, alle 14 Tage bis zu den Jubiläumsfeierlichkeiten, die vom 17. bis 20. Mai 2012 als ein Fest von Waldperlachern mit Waldperlachern für Waldperlacher stattfinden! Wann genau die Geschichte von Münchens östlichstem Stadtteil beginnt, ist umstritten. Noch im Jahre 1900 waren dort, wo heute ansehnliche Häuser stehen, einsame Wald- und Heideflächen vorzufinden. Die Wiege Waldperlachs heißt es, ist die am 1. Juni 1911 eröffnete Gaststätte namens »Waldheim« im heutigen Nixenweg 9.

Mehr noch scheint allerdings der Bau der Eisenbahnlinie vom Ostbahnhof nach Aying im Jahre 1904 bewirkt zu haben, der viele naturliebende Münchner in die nun leicht erreichbaren Waldgebiete im Osten der Stadt München lockte. Der Bauunternehmer Matthias Grundler parzellierte die Waldgrundstücke ostwärts der Dörfer Unterbiberg und Perlach und pries sie ab 1911 unter dem Motto »zurück zur Natur« an. Kleine Hütten für das Wochenende oder sogar als Wohnhäusl entstanden dies- und jenseits der Gemeindegrenzen: »Werkelmenschen mit schwieligen Händen und sorgdurchfurchten Gesichtern bearbeiteten mit fleißiger Liebe die oft hart erworbene Scholle, litten Not und Entbehrung«, fasste Grundler seine Eindrücke zusammen. Ab 1912 entstanden wilde Kolonien. 1919 gründete sich eine »Freie Interessengemeinschaft der Gartenstadt Neubiberg«, die sich um die Infrastruktur im Siedlungsgebiet kümmerte.

Ständige Aufgabe war, in dem ehemaligen »Haidegebiet« mit dem sehr tiefen Grundwasserstand die Wasserversorgung zu sichern. Nicht jeder Grundbesitzer konnte sich seinen eigenen Pumpbrunnen leisten, so gingen vom »Brunnen auf fremden Grund« Wasserleitungen zu den Häuschen. Ab 1916 wurde mit dem Bau des bekannten Wasserturms begonnen, dem Wahrzeichen von Waldperlach. Er tat von 1918 bis 1952 seinen Dienst, bevor er zum Kirchturm der evangelische Jubilate Kirche umgebaut wurde. Den Namen »Waldperlach« bekam das ständig wachsende Siedlungsgebiet aber erst nach zähen Verhandlungen 1928 vom Bayerischen Innenministerium genehmigt. Eigener Name – eigener Ortsrat, dachten sich die Waldperlacher. Doch weit gefehlt. Der eigene Ortsrat wurde ihnen vom Bezirksamt mehrfach verweigert, obwohl eine akzeptierte Ortsführung immer nötiger wurde. So sah sich die »Freie Interessenvereinigung« 1929 ohne offizielle Anerkennung außer Stande, gegen Vieh, das auf die vom Schwerlastverkehr überfüllte Putzbrunner Straße getrieben wurde oder dort abgelagerten Humus, Schutt- oder Unrat vorzugehen.

Doch löste sich dieses Problem mit der Eingemeindung Perlachs nach München im Jahr 1930 von alleine. Über die Zeit des zweiten Weltkrieges liegen nach Auskunft des Heimatforschers Franz Kerscher, dem die Autorin für zahlreiche Informationen und Fotos dankt, keine schriftlichen Dokumente vor. Über die jüngere Geschichte informiert eine nächste Folge. Angela Boschert


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