Mit dabei: Monty Pythons Philosophen

Filmszenen aus dem 60er

München/Giesing · Einer der bekanntesten Fußballsketche der Film- und Fernsehgeschichte wurde 1972 im Stadion an der Grünwalder Straße gedreht: „The Philosophers Football Match“ der berühmten britischen Komikertruppe Monty Pythons.

Jubiläums-Serie: 100 Jahre »Sechzger-Stadion«

  • 100 Jahre »Sechzger-Stadion«
    Themenseite: Das Grünwalder Stadion – von Löwenfans »Grünwalder« oder »Sechzger« genannt – wird 100 Jahre alt

Der Drehort ist in dem vierminütigen Film nur für Insider erkennbar, da ein Kameraschwenk auf die Tribünen vermieden wurde und nur einige Details der Haupttribüne erkennbar sind. Schließlich wird im Vorspann zum Spielbericht der Philosophenmannschaften von Griechenland und Deutschland (u.a. mit Hegel, Nietzsche, Marx und Beckenbauer) das Münchner Olympiastadion als Spielort genannt und in einer Luftaufnahme eingeblendet. Der Sketch, bei dem auf dem Platz nur nachdenkliche und debattierende Philosophen wandeln, ehe Archimedes (John Cleese) kurz vor Spielende nach dem Ausruf „Heureka!“ als erster den Ball kickt und das siegbringende 1:0 durch Sokrates (Eric Idle) für die in Togas gewandeten Griechen einleitet, gehört zur zweiten Folge der in Deutschland gedrehten Sketchreihe „Monty Pythons fliegender Zirkus“.

Während die erste der beiden speziell für das deutsche Fernsehen produzierten Folgen des „Monty Python‘s Flying Circus“ 1971 noch in deutscher Sprache produziert wurde, entschied man sich für die 1972 gedrehte zweite Folge aufgrund der besseren internationalen Vermarktbarkeit für englische Sprecher. Der Philosophen-Fußball-Sketch wird auf Englisch gesprochen, weist aber bei den Mannschaftsaufstellungen deutsche Texte auf. Als deutsche Partner beim Dreh der Sketche waren die Bavaria Atelier GmbH und der WDR tätig, als Produzent trat Alfred Biolek auf. Zu sehen ist der Sketch heute unter anderem auf den einschlägigen Internet-Video-Portalen.

Der Sketch blieb nicht der einzige Fernsehauftritt des Sechzger-Stadions außerhalb der Sportberichterstattung: Spielszenen von einer Partie der Löwen sind beispielsweise in einer Folge der legendären Polizei-Serie „Isar 12“ zu sehen. Aber auch in mehreren Kinofilmen diente das Stadion als Drehort. Während das Stadion in den Kömodien „Der Theodor im Fußballtor“ (mit Theo Lingen, 1950) und „Zwei Nasen tanken Super“ (mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger, 1984) nur als Kulisse diente, entdeckten später verschiedene Filmemacher die unerschütterliche Beziehung zwischen den 1860-Fans und „ihrem“ Stadion als Drehbuchstoff.

Neben dem Dokumentarfilm „Lokalderby – Eine Stadt im Fußballfieber“ (1997), der sich fast zwangsläufig mit dem Giesinger Stadion beschäftigte, spielte die ehemalige Spielstätte der Sechziger auch im Spielfilm „Zum Sterben schön“ (1997) und im Kurzfilm „Wichtig ist auf’m Platz“ (2001) eine tragende Rolle. In „Zum Sterben schön“ träumt die Hauptfigur, 1860-Fan Peter Gillitzer, vom Auftritt eines neuen Stürmerstars im Sechzger-Stadion. Gillitzer, der in Giesing gleich neben dem Stadion wohnt, finanziert dem TSV 1860 diesen dringend nötigen Spielerkauf durch die Einnahmen aus einem gerade geerbten Bestattungsunternehmen. Der Kurzfilm „Wichtig ist auf’m Platz“ handelt von einem jungen Mann, der seinem im Sterben liegenden Großvater, einem ehemaligen Spieler des TSV 1860, verspricht, im geliebten Sechzger-Stadion begraben zu werden. Als die Erdbestattung am (fiktiven) Betonuntergrund des Spielfelds scheitert, wird die Leiche verbrannt und die Asche mit einer Maschine zur Platzmarkierung auf dem Rasen verstreut.

– Ende der Serie –

von Roman Beer
(Autor des Buchs „Kultstätte an der Grünwalder Straße“)

Filmausschnitte aus dem Sechzger-Stadion:

Monty Pythons „The Philosopher‘s Football Match“ (1972):

Der Film: http://www.youtube.com/watch?v=ur5fGSBsfq8

Das Skript: http://www.mtholyoke.edu/~ebarnes/python/international-philosophy.htm

Zwei Nasen tanken Super (1984): http://www.youtube.com/watch?v=Yleckx_xcbI

Artikel vom 01.09.2011
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