Die manuelle Anzeigetafel

Ein Kultobjekt

Die Anzeigetafel im Sechzger-Stadion. Foto: A. Wild

Die Anzeigetafel im Sechzger-Stadion. Foto: A. Wild

München/Giesing · Seit den 1930er Jahren thront sie über den Rängen der Westkurve: die legendäre manuelle Anzeigentafel, die für viele als Kultobjekt und das Symbol schlechthin für die Spielstätte gilt.

Jubiläums-Serie: 100 Jahre »Sechzger-Stadion«

  • 100 Jahre »Sechzger-Stadion«
    Themenseite: Das Grünwalder Stadion – von Löwenfans »Grünwalder« oder »Sechzger« genannt – wird 100 Jahre alt

Auf einem rund drei Meter hohen Untergestell ruhte ein Podest für das Bedienungspersonal und dahinter die aus Holzlatten gezimmerte Tafel mit der großen Spielzeituhr (45 Minuten) in der Mitte und den Schildern für die Anzeige des Spielstands an der Seite. Nicht nur die Spielstandsanzeige musste vom „Taferlmann“ per Hand bedient werden, sondern auch die Uhr. Hierfür war ein zweiter Bediensteter zuständig, der sogenannte „Uhrmann“. Im Oktober 1954 verbot der Süddeutsche Fußballverband jedoch den Betrieb von Spielzeituhren, da die Zeiger gegen Spielende des öfteren etwas schneller gestellt wurden, wenn die Heimmannschaft knapp in Führung lag. Daraufhin ersetzte man die Spielzeituhr durch eine Normaluhr.

Beim Neubau der Westkurve unter der Leitung des Architekten Rudolf Ortner wurde 1959 auch die Anzeigentafel ausgetauscht. Die neue Anzeigentafel glich im Aussehen aber in etwa ihrer Vorgängerin. Auf einer 3,00 Meter hohen und 6,30 Meter breiten Betonplatte, die mit einer Holzverkleidung versehen war, hatte man in der Mitte eine runde Normaluhr montiert. Um 1970 ersetzte man die Holzverschalung durch eine Wellblechplatte. Der Uhrregulator wurde im Platzwartraum in der Sitztribüne untergebracht. Als 1980 die Sommerzeit eingeführt wurde, tauschte man das mechanische Uhrwerk gegen eine Funkuhr aus.

Auf der Anzeigetafel wurden neben und unter der Uhr Leisten und Haken angebracht. Zwischen den oberen Leisten können die 220 mal 55 Zentimeter großen Namensschilder der Mannschaften geschoben und an den Haken die Zifferntafeln für den Spielstand eingehängt werden. Wie bisher standen schwarze Schilder mit den in Weiß gemalten Schriftzügen „1860“, „BAYERN“ und „GÄSTE“ zur Verfügung, die bis heute im Einsatz sind. Daneben ließ das Sportamt auch weiß lackierte Spanplatten mit schwarzer Schrift von einem Maler anfertigen. Bisher hatte es nur für Länderspiele und internationale Gastmannschaften spezielle Pappschilder gegeben. Nun wurden für jeden Gegner der Münchner Vereine entsprechende Namensschilder in Auftrag gegeben, die bis Mitte der 1980er Jahre eingesetzt wurden, ehe der Großteil dieser Schilder im Müll landete.

Seit der Saison 2009/10 gibt es bei den Regionalliga-Heimspielen des TSV 1860 II wieder für jeden Gegner ein eigenes Namensschild. Die Tafeln wurden von den Fans gespendet.

von Roman Beer
(Autor des Buchs „Kultstätte an der Grünwalder Straße“)

Artikel vom 25.08.2011
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