Es gab viele Pläne für das Sechzger-Stadion

Gescheiterter Ausbau

Visualisierung des Ausbauentwurfs von 2010. Abbildung: Prof. Schwarz und Prof. Theilig

Visualisierung des Ausbauentwurfs von 2010. Abbildung: Prof. Schwarz und Prof. Theilig

München/Giesing · Schon in den 1970er Jahren wurde nach dem Bau des Olympiastadions die Frage nach dem richtigen Spielort für den TSV 1860 diskutiert. Mit dem 1995 unter Präsident Wildmoser vollzogenen dauerhaften Umzug ins stimmungsarme Olympiastadion begann eine regelrechte Spaltung des Vereins in der Stadionfrage.

Jubiläums-Serie: 100 Jahre »Sechzger-Stadion«

  • 100 Jahre »Sechzger-Stadion«
    Themenseite: Das Grünwalder Stadion – von Löwenfans »Grünwalder« oder »Sechzger« genannt – wird 100 Jahre alt

Ein damals geplanter schrittweiser Ausbau des Stadions an der Grünwalder Straße wurden von Wildmoser ebenso verworfen wie die Pläne des Ex-Spielers Manfred Schwabl aus dem Jahr 2000, auf Giesings Höhen eine neue Löwen-Arena zu errichten.

Auch nach Eröffnung der Allianz-Arena kamen immer wieder Rufe nach einem eigenen Stadion auf. Als immer mehr Fans befürchteten, dass 1860 als Mieter in der dem Lokalrivalen gehörenden Arena aufgrund der hohen Mietbelastungen und der fehlenden Möglichkeit zur Identitätsbildung auf Dauer zu Grunde gehen wird, reagierten die Verantwortlichen. Im März 2009 rief das 1860-Präsidium die „Projektgruppe Stadionzukunft“ unter der Leitung des 1860-Aufsichtsrats Christian Waggershauser ins Leben, die mit Vereinsmitgliedern aus der Bau- und Immobilienbranche besetzt wurde. Die Projektgruppe erarbeitete die Anforderungen an ein für den TSV 1860 passendes Stadion und untersuchte dafür mehrere Standorte. Dabei ging das Stadion an der Grünwalder Straße als einzig machbares Areal für ein zeitgemäßes Stadion hervor. Der TSV 1860 verpflichtete nun eine Reihe von Planern und Sachverständigen für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zum Ausbau des Stadions.

Nachdem man sich auf allen Themengebieten des Stadionausbaus die Unterstützung anerkannter Fachleute geholt und gemeinsam Lösungsansätze erarbeitet hatte, gingen die Verantwortlichen des TSV 1860 am 23. März 2010 relativ optimistisch in das Zusammentreffen mit der Stadtspitze. Schließlich waren die in den Wochen zuvor meist auf Referentenebene geführten Fachgespräche der Stadion-Projektgruppe mit der Stadtverwaltung in einem sehr konstruktiven und entgegenkommenden Dialog verlaufen. Doch was die 1860-Vertreter im Rathaus erlebten, war eine barsche Ablehung ihrer Pläne. Der Stadionentwurf („faszinierende Lösungen“) fand zwar lobende Worte von Oberbürgermeister Ude. Auch die zuvor heiß diskutierten Themen Brandschutz, Verkehr und Sicherheit spielten nun keine große Rolle mehr und waren somit scheinbar gelöst, allerdings sah Ude die seiner Meinung nach wichtigsten drei Fragen nicht hinreichend beantwortet: Die Ausstiegsmodalitäten aus dem Vertrag mit der Allianz-Arena waren nicht geklärt, die vorgesehene öffentliche Bürgschaft war nach Meinung des Stadtkämmerers aus rechtlichen Gründen nicht möglich und außerdem hätte es sich bei dem vorliegenden Entwurf um einen Neubau gehandelt, der aus Gründen des Bau- und Immissionsschutzrechts in dieser Lage nie genehmigungsfähig wäre. Aus Sicht von Projektgruppenleiter Waggershauser und vieler Fans hatte der Stadtspitze allerdings schlicht der politische Wille für einen Profifußball-tauglichen Ausbau des Stadions gefehlt.

Der Entwurfsprozess für die Machbarkeitsstudie wird in der bis 8. September im Giesinger Bahnhof laufenden Ausstellung „100 Jahre Sechzger-Stadion“ anschaulich dargestellt. Dort ist auch das Modell für den Ausbauentwurf zu sehen.

von Roman Beer
(Autor des Buchs „Kultstätte an der Grünwalder Straße“)

Artikel vom 11.08.2011
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