Ausfallstraße mit Autobahnanschluss am Hasenbergl oder in Feldmoching?

Feldmoching/Hasenbergl · Angst vor Verkehrslawine

Hep Monatzeder kündigte an, dass in diesem Frühjahr mit den genauen Ergebnissen der Verkehrsuntersuchung zu rechnen sei. 	Foto: ws

Hep Monatzeder kündigte an, dass in diesem Frühjahr mit den genauen Ergebnissen der Verkehrsuntersuchung zu rechnen sei. Foto: ws

Feldmoching/Hasenbergl · Der Münchner Norden hat dank seiner vielen Entwicklungsflächen gute Zukunftschancen. Doch der Wachstum hat seinen Preis: Große Gewerbeansiedlungen und neue Wohnquartiere erzeugen zusätzlichen Pkw- und Lkw-Verkehr.

Wohin mit dem Autobahnzubringer und der vermeintlichen Vorzüge?

Dabei stoßen die Ausfallstraßen zur Autobahn während der Hauptverkehrszeit sowie die beiden Autobahnanschlüsse »Ludwigsfeld« und »Neuherberg« schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen: Sie sind total verstopft.

Wegen »der Überlastung des Straßennetzes im Münchner Norden« habe die Stadt München Untersuchungen zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs und zum Ausbau der Straßen durchführen lassen. Das gab der Vorsitzende des Bezirksausschusses Feldmoching-Hasenbergl Markus Auerbach (SPD) bei der Bürgerversammlung für den Stadtbezirk 24 in der vergangenen Woche bekannt.

Der Politiker stellte eines klar: Grundsätzlich »wollen wir in unserem Stadtbezirk gar keine Durchgangsstraßen haben« – und erntete dafür von den rund 300 Anwesenden in der Mehrzweckhalle an der Georg-Zech-Allee viel Applaus. Versammlungsleiter Bürgermeister Hep Monatzeder kündigte an, dass in diesem Frühjahr mit den genauen Ergebnissen dieser Verkehrsuntersuchung zu rechnen sei. Diese würden, versehen mit einem konkreten Vorschlag zum weiteren Vorgehen, dann dem Stadtrat vorgestellt.

Mehrere Varianten sind möglich, um eine weitere Ausfallstraße mit neuem Autobahnanschluss zu bauen – entweder am Hasenbergl-Nord oder in Feldmoching. Man könnte die Schleißheimer Straße (sie endet derzeit am Goldschmiedplatz im Hasenbergl) nach Norden zur A 99 verlängern: Entweder durch den Bau eines Tunnels unter dem Landschaftsschutzgebiet Hartelholz hindurch oder als Untertunnelung der Fortnerstraße. Eine weitere Variante wäre in Feldmoching der Bau einer neuen Trasse: Dazu müsste man die Staatsstraße 2342 neu bauen, diese an das Autobahndreieck Feldmoching anbinden und zugleich eine Ost-West-Verbindung schaffen, also die Georg-Zech-Allee zur Augustin-Rösch-Straße verlängern und diese weiter bis hin zur Schleißheimer Straße.

Bürgermeister Monatzeder musste vor der eigentlichen Präsentation der Untersuchungsergebnisse in diesem Frühjahr jetzt bei der Bürgerversammlung vorab ein wenig erfreuliches Fazit ziehen: Die durchgeführten Gutachten hätten ergeben, dass »jede untersuchte Variante problematisch ist.« Die Bürger reagierten auf den Bau weiterer Ausfallstraßen durch den Münchner Norden zum Teil mit Empörung und Unverständnis – und lehnten neue Verkehrstrassen kategorisch ab. »Brauchen wir denn jeden Kilometer einen Autobahnanschluss, der direkt in die Stadt führt?«, sagte ein Feldmochinger Bürger voller Zynismus. Und stellte seine Forderungen: Die Staatsstraße 2342 neu dürfe nicht durch Feldmoching gebaut und der Ortsteil auch nicht an die Autobahn angebunden werden. Ein anderer Bürger forderte: »Keine weiteren Straßen und kein vierter Ring für den Münchner Norden.« Man habe schon den Mittleren Ring, den Frankfurter Ring und den Autobahnring. Und keine Verlängerung der Georg-Zech-Allee zur Augustin-Rösch-Straße bis hin zur Schleißheimer Straße – dann hätten wir »den Mc-Craw-Graben durch Feldmoching«.

Fazit des Mannes: »Was kriegen wir? Lärm, Dreck, verbaute Natur und keine Naherholung mehr.« Das Verkehrskonzept für den Münchner Norden dürfe nicht gegen den Münchner Norden gerichtet sein. Stattdessen solle die Stadt als attraktive Alternative zum motorisierten Individualverkehr lieber die U-Bahn, sprich die U 2, nach Unterschleißheim verlängern.

Kein weiterer Autobahnanschluss im Münchner Norden

Eine Anwohnerin gab ferner zu bedenken, dass mit Verlängerung der Schleißheimer Straße nach Norden das Naturschutzgebiet Panzerwiese dann gleich von drei Seiten von Autos und Schwerlastern umbraust werden würde: Von der Ingolstädter Straße, der A 99 und der Schleißheimer Straße. Es dürfe kein weiterer Autobahnanschluss entstehen, ganz egal wo im Münchner Norden. Stattdessen solle die Stadt das Projekt einer Stadt-Umland-Bahn wieder aufgreifen. Die Versammlung stimmte schließlich all diesen Anträgen mit großer Mehrheit zu. Karl Weißmann von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sagte, dass eine mögliche Verlängerung der U-Bahn nach Unterschleißheim bislang noch nicht untersucht worden sei. Dazu sei eine Kosten-Nutzen-Analyse notwendig sowie ein Nachweis des entsprechenden Fahrgastpotentials. Denn der U-Bahn-Bau sei sehr teuer: »Ein Kilometer U-Bahn kostet 100 Millionen Euro.«

Der Bezirksausschussvorsitzende Auerbach wusste zu berichten, dass der Ausbau eines bestehenden Autobahnanschlusses (Ludwigsfeld oder Neuherberg) in etwa so teuer wäre wie der Bau eines komplett neuen Autobahnanschlusses.

Während es im Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl von Bürgern und Lokalpolitikern heftige Proteste gegen neue Verkehrstrassen und gegen einen weiteren Autobahnanschluss gibt, steht man dem Ausbau des Straßennetzes pikanterweise im Nachbarbezirk 11 Milbertshofen-Am Hart positiv gegenüber. CSU und SPD im Bezirksausschuss 11 plädierten bei der Sitzung des Stadtteilgremiums in der vergangenen Woche einmütig für eine direkte Anbindung der Schleißheimer Straße an die A 99 – »bevorzugte Variante« wäre eine »Untertunnelung des Hartelholzes mit Landschaftsbrücke«.

Der Verkehr werde der Neubautätigkeit nicht gerecht

In der Begründung ihres gemeinsamen Antrags verwiesen CSU-Sprecher Erich Tomsche und SPD-Sprecher Fredy Hummel-Haslauer auf den vermehrten Bau und Ausbau von Wohn- und Gewerbegebieten: Das neue Wohnviertel Nordhaide und das BMW-Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) liegen an der Schleißheimer Straße. »Die verkehrliche Infrastruktur hinkt den Neubautätigkeiten sichtlich hinterher«, sowohl im öffentlichen Nahverkehr als auch im motorisierten Individualverkehr. Deshalb gelte es, »dringend und baldmöglichst Abhilfe zu schaffen«, forderten die Fraktionssprecher Tomsche und Hummel-Haslauer in ihrem gemeinsamen Antrag. Der Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart unterstützte den Antrag mit großer Mehrheit und leitete ihn an die Stadtverwaltung weiter. Wally Schmidt

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Artikel vom 22.03.2011
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