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Aktuelles - 22.07.2010 Wochenanzeiger München: Haidhausener Anzeiger
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1960er-Jahre · Liebeserklärung an Haidhausen
Ein Stadtviertel-Spaziergang von Oma und Enkelin
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Haidhausen · »Mit der Oma durchs Stadtviertel Haidhausen/Au«, das ist der Titel einer Sammlung von Erinnerungen und Geschichten aus einem Stadtteil, in dem Betina Pflaum (41) und ihre Großmutter Lina Mayer (94) die meiste Zeit ihres Lebens verbracht haben.
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Das Wohnhaus des Malers Eduard Grützner, ein freistehender, malerischer Bau in deutscher Renaissance von Leonhard Romeis. Foto: Pflaum |
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Ihre Liebeserklärung an Haidhausen haben sie der Jubiläumsausgabe des »Münchner
Wochenanzeigers« zur Verfügung gestellt. »Meine Oma und ich starten unseren
Spaziergang am Wiener Platz vor dem Hofbräukeller, den die Eltern meiner
Oma von 1933 bis nach dem 2. Weltkrieg als Pächter bewirtschaftet haben.
Der Biergarten wurde früher meistens von Handwerkern und Geschäftsleuten
aus Haidhausen besucht und zieht mittlerweile ein sehr buntes und gemischtes
Publikum an, aber auch die Familien aus dem Viertel. Die Standl vom Markt
am Wiener Platz sind mittlerweile moderner geworden. An der Kreppe, wo seit
ewiger Zeit eine Schlosserei ist und auch der alte Zylinderbrunnen steht
dort immer noch. Vor allem hier hat man nicht das Gefühl, in einer Großstadt
zu leben. Diese kleinen Oasen hat sich Haidhausen bewahrt wie kaum ein anderer
Stadtteil. Meine Oma erinnert sich noch an das ehemalige Tröpferlbad, am
Eck der Schloflstraße zum Johannisplatz, einem Wannen- und Brausebad,
aus der Zeit, als die Wohnungen noch kein Bad hatten. Nebenan ist die Grundschule
an der Kirchenstraße, hier habe ich von 1976 bis 1980 die Schulbank gedrückt.
Die Schriftstellerin und Schauspielerin Carlamaria Heim hat ganz in der
Nähe am Johannisplatz Nummer 10 Zeit ihres Lebens gewohnt. Sie hat in einigen
BR-Serien, wie etwa dem Pumuckl, mitgewirkt. Heute erinnert noch eine Gedenktafel
am Haus an sie. Beim Juwelierladen nebenan erinnert sich meine Oma, dass
der damalige Besitzer überfallen und dabei angeschossen wurde. Sie sagt:
›Ich weiß noch, wie er damals schwer verletzt durch unsere Straße gelaufen
ist und dabei gerufen hat: Haltet’s den Dieb! Die Leute haben nicht reagiert,
weil sie gedacht haben, dass es sich um einen Scherz handelt. Keiner konnte
glauben, dass sowas am helllichten Tag passiert.‹ Am Eck sehen wir das Haus,
in dem früher die Puppenklinik Frei war und heute die Streetworker residieren.
An die Puppenklinik kann auch ich mich noch gut erinnern, dort wurden die
kleinen und größeren Wehwehchen meiner Puppen behandelt. Bei der Bäckerei,
die dort früher war, habe ich mir als Kind nach der Schule die leckere Ahoi-Brause
gekauft. Die gab es damals in den 70er-Jahren noch in einer Dreieckstüte,
die man mit Wasser auffüllen und dann trinken konnte. Waldmeister war meine
Lieblingssorte. Durch die Isaranlagen geht unser Spaziergang weiter in Richtung
Gasteig, vorbei am Nikolaikircherl, in dem meine Eltern 1969 geheiratet
haben. Die kleine Kirche erinnert eher an eine Dorfkirche und hat ein besonderes
Flair: eine Oase der Ruhe im Trubel der Stadt. Von da aus gehen wir über
das Gasteig-Gelände, dort wo heute die GEMA ihren Sitz hat, war früher der
Bürgerbräukeller, in dem Georg Elsers Attentat auf Adolf Hitler fehlgeschlagen
war. 1978 wurde mit dem Bau des Gasteig-Kulturzentrums begonnen, das Mitte
der 80er-Jahre eröffnet wurde. Nach anfänglichen Bedenken ist es mit seinen
zahlreichen kulturellen Veranstaltungen zum festen Bestandteil des Viertels
geworden. Am Gasteig vorbei gehen wir die Rosenheimer Straße runter und
biegen vor der Ludwigsbrücke in die Lilienstraße ein. Dort befindet sich
das Kino Museum Lichtspiele in dem seit 25 Jahren die Rocky-Horror-Picture-Show
läuft. Parallel zur Lilienstraße verläuft die Zeppelinstraße, in der das
Geburtshaus von Karl Valentin zu finden ist. Am Mariahilfplatz findet dreimal
im Jahr die Dult statt, im Mai, August und Oktober. Dort gibt es einen Geschirrmarkt
und Nostalgisches zu bewundern. Meine Oma ist immer gerne auf die Auer Dult
gegangen, meistens hat sie sich auf dem Heimweg bei der Backstube noch eine
Auszog’ne mitgenommen, die sie sich daheim mit einem Kaffee hat schmecken
lassen.«
Entstanden ist die Idee zu diesem Spaziergang als Lina Mayer anlässlich
der 1200-Jahr-Feier von Haidhausen bei einem Schülerprojekt der 3. Klasse
der Flurschule als Interviewpartnerin mitgewirkt hat. Die Kinder haben damals
Handwerksbetriebe in Haidhausen besucht und die Besitzer befragt, wie es
früher war, und was sich so im Lauf der Zeit verändert hat.
60 Jahre
Geburtstag und alle Münchner Wochenanzeiger feiern mit
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