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Sport - 15.07.2010 Wochenanzeiger München: TSV 1860 aktuell
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München · Ein Stück Vergangenheitsbewältigung
TSV 1860 unterliegt im „Catering“-Streit • Kommentar von Alfons Seeler
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Seit Mittwoch ist es aktenkundig: Den sogenannten „Catering“-Prozess vor der 1. Handelskammer am Landgericht München I hat der TSV 1860 München verloren. Die Hoffnungen von Präsidium und Geschäftsführung beim TSV 1860 München auf finanzielle Entlastung in der Allianz-Arena sind damit dahin.
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Der „Löwe" verliert im Justizgebäude. Foto: Anne Wild |
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Im Stadionüberlassungsvertrag hat sich der TSV verpflichtet, neben der eigentlichen
Miete für jedes Bundesligaspiel eine Fixsumme für die gastronomische Verpflegung
im Business- und Sponsorenbereich zu bezahlen, die sogenannte „Catering“-Pauschale.
Die Pauschale setzt kalkulatorisch jedoch eine nahezu hundertprozentige
Auslastung für sämtliche Heimspiele einer Saison voraus. Das ist beim TSV
1860 nicht der Fall. Seit Eröffnung der Allianz-Arena im Jahr 2005 erreichten
die Giesinger nach eigenen Angaben nicht einmal 50 Prozent Auslastung. Nachdem
sich der FC Bayern gegen Nachverhandlungen sperrte, kürzte der TSV kurzerhand
den Betrag eigenmächtig entsprechend seines tatsächlichen Bedarfs.
Während der FC Bayern weiter auf der Zahlung der vereinbarten Pauschale
bestand, bewertete der TSV die entsprechende Vertragsklausel als sitten-
und kartellrechtswidrig und argumentierte, die Stadiongesellschaft habe
seinerzeit die angespannte wirtschaftliche Lage der „Löwen“ ausgenutzt,
um unangemessene „Catering“-Forderungen durchzusetzen. Das Gericht kam jedoch
zu der Auffassung, dass sich die früheren Verantwortungsträger an der Grünwalder
Straße durch die Zustimmung zu diesen Verträgen selbst in die Zwangslage
gebracht hätten und verurteilte die „Löwen“ dazu, dem FC Bayern München
in Gestalt seiner Stadiongesellschaft die Klagesumme in Höhe von 542.344
Euro zuzüglich Zinsen zu bezahlen. In einer ersten Stellungnahme zum Prozessergebnis
erklärte 1860-Geschäftsführer Manfred Stoffers: „Egal, wer am Ende die Verantwortung
für die desaströsen Mietbedingungen in der Allianz Arena trägt, aus der
Verantwortung für den TSV waren wir verpflichtet, gegen die unerträglichen
Vertragsbedingungen zu kämpfen."
Die Allianz-Arena erweist sich immer mehr zum Mühlstein am Hals des Zweitligisten:
zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Die Verantwortung dafür kann jedoch
nicht beim FC Bayern gesucht werden. Die „Blauen“ sollten sich an ihre eigene
Nase fassen und Vergangenheitsbewältigung betreiben. Denn die Liste derer,
die beim TSV 1860 mitverantwortlich für die heutige Situation sind, ist
lang. Sie reicht vom früheren Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser und seinem
wegen Korruption im Zusammenhang mit dem Bau der Allianz-Arena verurteilten
Sohn bis zu früheren Aufsichtsräten – darunter, auch das muss gesagt werden,
Oberbürgermeister Christian Ude –, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
des „kleinen“ TSV 1860 dramatisch falsch eingeschätzt haben und die „Löwen“
im Hau-Ruck-Verfahren in ein ehrgeiziges Prestigeprojekt trieben, das ihnen
heute zum Verhängnis wird. Dabei ist es keineswegs so, dass seinerzeit nicht
auch mahnende Stimmen in den Reihen des TSV 1860 existiert hätten. Im Gegenteil,
eine Reihe von Kritikern des gemeinsamen Stadionbaues mit dem FCB haben
die heutigen Probleme auf geradezu prophetische Weise vorhergesehen. Sie
wurden zum Lohn mit Vereinsausschlussverfahren abgestraft und als „Ewiggestrige“
verunglimpft. In der Hurra-wir-bauen-ein-WM-Stadion-Euphorie wollte niemand
etwas von möglichen Problemen wissen. Der FC Bayern hat dabei stets konsequent
seine Geschäftsinteressen vertreten. Das ist legitim. Hätten die Verantwortlichen
beim TSV 1860 in der Vergangenheit ähnlich gehandelt, müssten die „Blauen“
heute nicht finanziell auf Messers Schneide balancieren.
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