Arbeiten am Marienhof zur zweiten Stammstrecke zu früh?

Zentrum · Druck hausgemacht

Laut BA-Chef Wolfgang Püschel wurde am Marienhof »zu früh mit dem Buddeln angefangen«.	Fotos: scy

Laut BA-Chef Wolfgang Püschel wurde am Marienhof »zu früh mit dem Buddeln angefangen«. Fotos: scy

Zentrum · Keine guten Zeiten für die Marienhof-Spatzen. Vogelschützer warnten bereits, dass die Vögel mit dem Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke aus der Innenstadt verschwinden könnten. Nicht die einzige Sache, die schwer im Magen liegt. Der Beginn der Ausgrabungsarbeiten am Marienhof vor zwei Wochen regt auch bei Wolfgang Püschel großen Unmut.

So steht's um die 2. S-Bahn-Stammstrecke.

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»Es wurde zu früh mit dem Buddeln begonnen«, empört sich der Chef des Bezirksausschusses Altstadt-Lehel (BA 1). »Es ist nicht nachvollziehbar, warum damit nicht noch ein paar Wochen gewartet werden kann.« Für den Großteil der Finanzierung der zweiten Stammstrecke mit einem sieben Kilometer langen Tunnel ist nämlich die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 von entscheidender Bedeutung: Bekommt München den Zuschlag, sollen von der Bundesregierung entsprechende Gelder zur Verfügung gestellt werden, wenngleich auch das nicht definitiv zugesichert ist. Vieles ist also noch im Ungewissen. Denn auch ob man grünes Licht zur Austragung der Winterspiele erhält, entscheidet sich erst am 6. Juli auf der 123. IOC-Session im südafrikanischen Durban. »Trotzdem wird am Marienhof schon gegraben, als sei die Sache bereits beschlossen«, sagt Püschel, dem es vor allem auch um bürgerdemokratische Rechte geht. »Bauzäune werden aufgestellt, Bagger rollen an. Damit wird dem Bürger vermittelt, die Sache sei bereits gelaufen. Da kommt gar keiner mehr auf die Idee, beispielsweise zu protestieren.«

Was möglicherweise passieren könnte, wenn München bei Olympia 2018 nicht dabei ist, es also unter anderem keine Bundesmittel gibt, darauf hätte man dem BA in einer öffentlichen Sitzung geantwortet: »Dann schütten wir das Loch eben wieder zu.« Püschel schüttelt den Kopf. »So wird mit Steuergeldern umgegangen.« Er fordert: »Mehr Transparenz für den Bürger.« Doch statt offener Bürgerpolitik, gebe es jede Menge undurchsichtiger Vorgehensweisen und Argumente, die für den Bürger nicht verständlich genug seien. »Die Sache wird dem Bürger nicht plausibel gemacht.

Er wird einfach abgespeist. Hier handelt es sich eindeutig um einen Schildbürgerstreich – mehr noch: um einen Skandal«, so Püschel. Abgesehen davon seien die Planfeststellungsverfahren noch nicht für alle Abschnitte abgeschlossen und auch ­wesentliche Sicherheitsfragen noch nicht endgültig beantwortet. Zudem sei noch nicht genug abgewogen worden zwischen der zweiten Stammstrecke und dem Ausbau des Südrings der S-Bahn, der als Alternative diskutiert und vor allem von den Grünen befürwortet wird.

Püschel stellt klar: »Ich bin nicht gegen den Bau der zweiten Stammstrecke. Doch ich frage mich: Was soll diese übertriebene Hektik?« Der Druck sei »hausgemacht«. Unter anderem, so hieß es laut Püschel mehrfach von Seiten des Stadtrates, um in der Presse letztlich nicht als mögliche »Verhinderer« dazustehen, wenn etwas schief laufe. In aller Eile sei der Vertrag zwischen der Staatsregierung und der Deutschen Bahn (DB) beschlossen worden, der Stadtrat habe den so genannten Vorarbeiten so schnell wie möglich zustimmen müssen. Am 13. April gab es eine Sondersitzung der Vollversammlung zu diesem Thema.

»Wir haben grünes Licht gegeben. Die archäologischen Grabungen können von statten gehen«, so Katja Strohhäker, Sprecherin des Planungsreferates. Dass sich erstmal Archäologen an die Arbeit machen, ist Voraussetzung dafür, dass die Bahn im Frühjahr des kommenden Jahres wie geplant mit dem Stammstrecken-Bau beginnen kann.

Unter anderem soll bei den archäologischen Ausgrabungen nach der ehemaligen Stadtmauer, die sich quer über den Marienhof zog und nach den Überresten des »Englischen Hofes«, der bis zu seiner Zerstörung im Jahr 1944 zu den führenden Hotels in München zählte, gesucht werden. Ein DB-Sprecher dazu: »Erstmal müssen alle Bodendenkmäler erkundet und gesichert werden. Für diese Maßnahme liegen alle rechtlichen Voraussetzungen vor.« Doch warum eigentlich dieses Hauruck-Verfahren? Warum kann nicht der Entscheid des IOC- Komitees abgewartet werden? »Es eilt«, so der Sprecher. »Wir müssen bis spätestens Februar 2018 fertig sein, im Dezember 2017 soll die Stammstrecke bereits zur Verfügung stehen.« Allerhöchste Eisenbahn also. Bleibt abzuwarten, was der 6. Juli daran ändert. Sylvie-Sophie Schindler

Artikel vom 03.05.2011
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